Leseförderung in den Kantonen: Ansätze und Erfahrungen


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Redaktionsbeitrag | Nummer 3/2010
von Christine Tresch

Zehn Jahre nach der 1. PISA-Studie hat sich die Schweizer Leseförderungslandschaft grundlegend verändert. Auf dem Hintergrund der ungenügenden Lesekompetenzen von 20 Prozent der Schweizer Schulabgängerinnen und -abgänger machten sich Bildungspolitik und Leseforschung damals daran, die Befunde der Studie zu analysieren und erste Schritte hin zu einer Verbesserung der Situation vorzuschlagen. Anlässlich einer internationalen Tagung wurde 2002 in Aarau nach den Gründen der Lesedefizite der Schweizer SchülerInnen gefragt und Modelle anderer Praxis aus dem Ausland vorgestellt. Die EDK verabschiedete 2003 den „Aktionsplan «PISA 2000»-Folgemassnahmen“ mit Handlungsvorschlägen zur Sprachförderung auf allen Ebenen. Die deutschsprachige Leseforschung begann, die angelsächsische Leseförderung intensiver zu rezipieren und entwickelte ein Lesekompetenzmodell, das nicht mehr auf nur auf der Grundlage „Lesen lernt man durch viel Lesen“ basiert, sondern kognitive, reflexive und motivationale Aspekte miteinbezieht (Hurrelmann 2002, Rosebrock 2008) – und sie brachte die Wichtigkeit frühkindlicher literaler Erfahrungen aufs Tapet.
Die bildungspolitische Initivative der EDK schlug sich in unzähligen Leseförderungsintiativen nieder. Kantone und gemeinden starteten Grossprojekte (z. B. Kanton Solothurn: „Lesen bewegt“; Stadt Zürich und Stadt Winterthur „Lesetreppe“), einige Kantone schufen Fachstellen für Leseförderung, Gemeinden und Schulen institutionalisierten Stadt- und Schulhausromanprojekte und Lesenächte. Eine gesamtschweizerische Übersicht über die Vielzahl der Massnahmen auf allen Ebenen (von den bildungspolitischen Leitlinien über die Ausbildung der Lehrpersonen bis zur Arbeit im Klassenzimmer oder der Vorleseinitivative in einer kleinen Bibliothek) und ihrer Nachhaltigkeit steht noch aus.
Die aktuelle Ausgabe des Leseforums wirft zwei Blitzlichter auf dieses weite Feld. Im ersten Fokusartikel steht das frühkindliche Sprachförderungsprojekt „Buchstart Schweiz“ im Zentrum, das im Jahr 2008 lanciert wurde. Claudia Kovalik hat im Rahmen einer Masterarbeit die Akteurinnen und Akteure des deutschschweizer Teilprojekts befragt und präsentiert im ersten Fokusartikel Ergebnisse zur Umsetzung und Einschätzung dieser Initiative.
Im zweiten Fokusartikel unternimmt Anne Froidveaux eine Tour d’Horizon durch die Leseförderungslandschaft in der Romandie und stellt zahlreiche Initiativen vor.
Eine Würdigung der Deutschschweizer Leseförderungslandschaft steht mit diesem Schwerpunkt noch aus. Das Leseforum wird sie in einer späteren Ausgabe nachholen.

Groeben, N. & Hurrelmann, B. (Hrsg.). Lesekompetenz. Bedingungen, Dimensionen, Funktionen. Weinheim, München: Juventa 2002
Rosebrock, C., Nix, D. Grundlagen der Lesedidaktik und systematischen Leseförderung. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 2008



Evaluation des Projekts «Buchstart Schweiz»

von Claudia Kovalik
Ausgehend von positiven Erkenntnissen im Bereich frühkindlicher Sprachförderung, wurde im Jahre 2008 das schweizerische Projekt «Buchstart» ins Leben gerufen. Das Projekt hat zum Ziel, Babys und Kleinkinder schon früh in Kontakt mit Büchern und Schrift kommen zu lassen und sie so beiläufig und ganz selbstverständlich in die Schriftsprachkultur hineinwachsen zu lassen. Dieser Artikel bietet einen Überblick über Resultate aus der ersten Evaluation des «Buchstart»-Projekts, die im Rahmen einer Masterarbeit an der HTW Chur durchgeführt wurde.
Fokusartikel 1 von Kovalik




Leseförderung in der französischen Schweiz

Leseförderung in den französischsprachigen Kantonen
seit PISA 2000


von Anne Froidevaux
Hinsichtlich der Lesekompetenz der jungen Schweizerinnen und Schweizer am Ende der obligatorischen Schulzeit war das Ergebnis von PISA 2000 eher ernüchternd. 2009 stand wiederum das Lesen im Mittelpunkt der PISA-Studie, womit sich der Kreis von 9 Jahren geschlossen hat: Ein geeigneter Zeitpunkt, um sich zu fragen, ob die eher mittelmässigen Resultate im Jahr 2000 den politischen Willen mobilisiert haben, die Leseförderung zu verstärken. Der Beitrag beleuchtet die Arbeit einiger Akteurinnen und Akteure der Leseförderung in der französischen Schweiz.
Fokusartikel von Froidevaux (in Französisch)


 



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