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Schreiben im Internet

Redaktionsbeitrag | Nummer 2/2011
von Christine Tresch

Digitale interaktive Medien sind aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken, sie stiften Zugehörigkeit, ermöglichen es, digital verfügbares Wissen den individuellen Bedürfnissen anzupassen und sind der Ort, wo Kinder und Jugendliche in der Freizeit schreibend und lesend kommunizieren. Die Kompetenzen, die sie sich mit diesen Praktiken erwerben und die neuen Textsorten, derer sie sich dabei bedienen, haben wenig gemeinsam mit traditionellen, schulischen Schreib- und Leseformen. Sie funktionieren oft multimedial und entziehen sich linearen Narrationsformen, wie sie den meisten in der Schule verhandelten Textsorten zugrunde liegen. Digitale Schreib- und Lesesozialisation erfolgt vornehmlich in der Freizeit und finden kaum Entsprechungen im Schulalltag.
Wie kann die Schule auf das Alltagsschreiben von Kindern und Jugendlichen reagieren? Inwiefern ist es sinnvoll, Freizeitpraxen für die Schule zu adaptieren und welche Risiken sind mit einer Anlehnung an populäre digitale Aktivitäten verbunden? Was heisst das, wenn sich im Klassenzimmer plötzlich zwei unterschiedliche soziale Räume überlagern, wenn populäre Texte aus ihrem sozialen und diskursiven Kontext entwendet und im schulischem Raum rekontextualisiert werden und die Einbettung in institutionelle Regeln mit dem Verlust von individueller Freiheit und Intimität verbunden ist?
Die Fragestellungen, die sich für die Schule – und umgekehrt – ergeben, sind vielfältig und Antworten erst in Ansätzen ersichtlich. Dazu kommt, dass sich die digitalen Angebote laufend verändern und die Schule nicht auf jedes neue mediale Kommunikationsmittel reagieren kann.
Ein breiter Konsens besteht darüber, dass der Einbezug von Alltagsmedienpraxen in den Schulunterricht einen hohen motivationalen Faktor hat und Interaktionen und Partizipation befördert. In traditionellen literalen Handlungsfeldern sind die Lehrpersonen die ExpertInnen, in den so genannten New Literacies kehrt sich dieses Verhältnis oft um: die Schülerinnen und Schüler werden zu Fachleuten und die Lehrpersonen könn(t)en viel von ihnen lernen.
Die drei Fokustexte dieser Ausgabe von leseforum.ch setzen hier an: Furger und Schneider untersuchen die Nutzung der schulisch initiierten Schreibplattform "myMoment" durch Kinder der Primarstufe. Penloup und Liénard beschreiben Merkmale digitaler Texte am Beispiel von Chat-Texten aus einem  Schreibatelier für sozial benachteiligte Jugendliche und Erwachsene.  Lötscher erklärt und diskutiert das Schreiben von Fanfiction als Freizeitaktivität von Kindern und Jugendlichen. Damit leisten die Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen Perspektiven substanzielle Beiträge zur Frage, wie traditionelle Bildungsnormen und New Literacies zusammengebracht werden können, und wo diese Konvergenz ihre Grenzen hat.


Schreiben in und mit digitalen Medien: die Web-Plattform myMoment

von Julienne Furger und Hansjakob Schneider
Heute machen Schülerinnen und Schüler als so genannte ›digital natives‹ einen grossen Teil ihrer literalen Erfahrungen mit digitalen Kommunikationsmedien ausserhalb der Schule. Was bedeutet diese ausserschulische Schreibsozialisation für den Schreibunterricht? Wie kann die Schule die literalen Aktivitäten der Jugendlichen im Internet in den Unterricht einbeziehen? In diesem Beitrag wird gezeigt, wie schulische Schreibaufgaben mit der Verwendung von digitalen Kommunikationsmedien verbunden werden können.

Zum Fokusartikel 1


Schriftbezug als Ansatz, um über die Bedeutung des Schreibens mit digitalen Medien für den Französischunterricht nachzudenken

von Marie-Claude Penloup und Fabien Liénard
Liénard und Penloup diskutieren in ihrem Artikel, ob und wie Schreiben mit digitalen Medien in den Schulunterricht integriert werden kann. Die Frage ist Teil einer allgemeineren Betrachtung über den Bezug der Lernenden zur Schriftlichkeit im Französischunterricht (Chartrand. S.-G. & Blaser C., 2008). Die AutorInnen vertreten aus einer soziolinguistuschen Perspektive die Ansicht, dass das im Internet verwendete Französisch nicht als abweichende Form zu verstehen ist, sondern als eine Variante des Französischen, die linguistisch zulässig und in diesem spezifischen Kontext sinnvoll ist.
Nach einem Überblick über theoretische Grundlagen beschreiben die AutorInnen die Besonderheiten des Schreibens im Internet. Anschliessend diskutieren sie die Frage, welchen Platz das im Internet verwendete Französisch bei der Förderung rezeptiver und produktiver Sprachfähigkeiten im Unterricht einnehmen könnte.

Zum Fokusartikel 2


Fan Fiction als Identitäts- und Gestaltungsraum für Jugendliche

von Christine Lötscher
Fan Fiction-Foren im Internet bieten LeserInnen die Möglichkeit, der imaginären Welt, die rund um ihre medialen Lieblingsstoffe herum entstehen, eine Form zu geben; als Text, der von anderen Fans gelesen und kommentiert wird. Ein kulturwissenschaftlicher Blick auf das Phänomen soll zeigen, wo die Texte ansetzen und wie Jugendliche das Netzwerk nutzen, für ihre Auseinandersetzung mit Medien und mit ihrer eigenen Identität.

Zum Fokusartikel 3

 


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