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Literalität in der Berufsbildung


Foto: Stephan Schneider

Redaktionsbeitrag | Nummer 1/2014
Von Glaís Sales Cordeiro, Chloé Gabathuler und Christine Tresch

«Die Förderung der Sprachkompetenzen in der ersten Landes- und in den Fremdsprachen wird in den nächsten Jahren ein Schlüsselelement der beruflichen Grundbildung bleiben», schreibt das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI im «Forschungskonzept Berufsbildung 2013-2016».
Wer gut lesen und schreiben kann, ist in der Regel auch im Beruf erfolgreicher. Lehrstellensuchende mit gut verfassten Motivationsschreiben haben bessere Aussichten auf eine Stelle; Lese- und Schreibtests bei Bewerbungen sind keine Seltenheit mehr – auch für Berufe, die nicht mit besonders hohen Lese- und Schreibanforderungen verbunden sind.
Nicht alle Schülerinnen und Schüler aber sind auf die Lese- und Schreibanforderungen und die kommunikativen Situationen, die sie im Berufsfeld erwarten, ausreichend vorbereitet. Die aktuelle Nummer von Leseforum setzt sich mit Forschungsbeiträgen und Erfahrungsberichten mit diesen Befunden auseinander.

Afra Sturm stellt eine Studie vor, die die obigen Ausführungen untermauert und belegt, dass ein Teil der BerufsschülerInnen nicht über ausreichende basale Lese- und Schreibfertigkeiten verfügt. Ihr Förderbedarf muss frühzeitig erkannt werden, nur dann können kompensatorischen Fördermassnahmen greifen.
Christian Efing zeigt auf, welchen Stellenwert Kommunikation im Alltag von Berufslernenden hat, welche sprachlich-kommunikativen Anforderungen sich ihnen im Betrieb und in der Berufsschule stellen und welche Rahmenbedingungen Sprachförderprogramme für Berufslernende positiv prägen.
Mit der Einführung des Rahmenlehrplans für Berufsschulen (2006) ist das Fach «Deutsch» als Unterrichtsbereich «Sprache und Kommunikation» ins Fach «Allgemeinbildung» integriert. Stephan Schneider fragt nach den Konsequenzen dieser Integration und schildert, wie die Gewerblich-industrielle Berufsfachschule Liestal auf den Förderbedarf von Schülerinnen und Schülern reagiert.

Der Begriff der Berufsbildung wird in der Romandie weiter gefasst. Die französischsprachigen Beiträge dieser Nummer thematisieren die Beziehungen zwischen Lesen, Schreiben und der Berufsbildung unter Berücksichtigung von speziellen Bildungsverläufen.
Roxane Gagnon präsentiert didaktische Vorschläge zur Behandlung des Bewerbungsgesprächs in der Berufsschule. Anhand einer Sequenz zum mündlichen Argumentieren, zeigt die Autorin auf, dass bei der Auseinandersetzung mit dem Bewerbungsgespräch Lesen, Schreiben und Reden zum Zug kommen.
Sabine Vanhulle und Anne Clerc-Georgy setzen sich mit einem anderen Aspekt von Schriftlichkeit auseinander. Sie analysieren und interpretieren Portfolio-Texte angehender Lehrpersonen der Sekundarstufe im Hinblick auf Wertvorstellungen, Motive und Absichten; Spannungen zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und gelebter Erfahrung und widersprüchliche Identitätskonstruktionen. Daraus leiten sie die methodologischen Implikationen für eine deskriptive und verstehend-interpretative Diskursanalyse ab und diskutieren einige Forschungsergebnisse.
Sandrine Breithaupt, Anne Clerc-Georgy, Carole-Anne und Mylène Ducrey stellen in ihrem Beitrag eine Ausbildungssequenz für angehende Primarschullehrpersonen vor, in der die vertiefte Auseinandersetzung mit Vygotskis Sprachpsychologie im Zentrum steht. Die Autorinnen beschreiben die verschiedenen Phasen dieser Textaneignung von der gemeinsamen Erarbeitung von Textstrukturen bis zu verschiedenen Schreibaktivitäten.

Die Beiträge in dieser Ausgabe setzen sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln und auf dem Hintergrund verschiedener theoretischer Bezugssysteme mit dem komplexen Verhältnis von Literaliät und Berufsbildung auseinander. Sie belegen die zentrale Bedeutung von literalen Kompetenzen in der Berufsbildung, nicht nur für die Aneignung von Berufswissen, sondern auch wenn es darum geht, dieses Berufswissen zu internalisieren und in der Praxis anzuwenden.

 


Basale Lese- und Schreibfertigkeiten bei BerufsschülerInnen und die Notwendigkeit kompensatorischer Fördermassnahmen

Abstract | Afra Sturm
Üblicherweise wird davon ausgegangen, dass die basalen Lese- und Schreibfertigkeiten spätestens Ende Sekundarstufe I ausreichend entwickelt sind. In diesem Beitrag wird eine Studie vorgestellt, die jedoch zeigt, dass ein Teil der Berufsschüler/-innen kaum flüssiger als 4.-KlässlerInnen liest oder grosse Mühe bekundet, Texte flüssig und korrekt zu verfassen. Da bspw. Weiterbildungsaktivitäten nach der Ausbildung auch davon abhängen, wie gut jemand liest, gilt es, Berufsschüler/-innen mit eher geringen Lese- und Schreibkompetenzen gezielt zu fördern.

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Das Bewerbungsgespräch im allgemeinbildenden Unterricht der Berufsschule: Lesen und Schreiben, um zu reden

Abstract | von Roxane Gagnon
Der Beitrag stellt didaktische Vorschläge zur Behandlung des Bewerbungsgesprächs in der Berufsschule vor. Die Vorschläge stützen sich auf die Ergebnisse einer zwischen 2006 und 2010 im Rahmen einer Dissertation durchgeführten Untersuchung. Dabei ging es um Unterrichtssequenzen zum Thema mündliches Argumentieren. Wir beschreiben zuerst den Kontext des Fachs Allgemeinbildung und die gemäss Lehrplan angestrebten sprachlichen Kompetenzen. Dann stellen wir ein didaktisches Modell der Textsorte  „Bewerbungsgespräch“ sowie eine darauf ausgerichtete Unterrichtssequenz vor. Die didaktischen Vorschläge beruhen auf praktischen Erprobungen und zeichnen sich dadurch aus, dass sie den Lernenden Zugang zu dynamischen Zwischenformen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit vermitteln, wie sie für dieses Genre charakteristisch sind. Wir zeigen, dass bei der Auseinandersetzung mit dem Bewerbungsgespräch Lesen, Schreiben und Reden zum Zug kommen.

Ganzer Artikel als PDF (in Französisch)

 

«Wenn man sich nicht sprachlich ausdrücken kann, kann man auch keine präziseren, qualifizierteren Arbeiten ausführen.» – Stellenwert von und Anforderungen an kommunikative(n) Fähigkeiten von Auszubildenden

Abstract | von Christian Efing
Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über bisherige Forschungsergebnisse zu den sprachlich-kommunikativen Anforderungen, mit denen Auszubildende im betrieblichen und berufsschulischen Bereich einer dualen Ausbildung konfrontiert werden. Hierfür wurden Arbeiten aus linguistischer, sprachdidaktischer und berufspädagogischer Perspektive herangezogen, die auf Basis unterschiedlicher methodischer Herangehensweisen versuchen, die Anforderungen in solchen Ausbildungsberufen zu erheben und zu beschreiben, die traditionell von AbsolventInnen von Haupt- und Realschulen ergriffen werden. Darüber hinaus werden der Stellenwert von Kommunikation für eine gelingende Ausbildung sowie Kontextfaktoren diskutiert, die die Qualität und Quantität sprachlich-kommunikativer Anforderungen beeinflussen. Schließlich wird ein Überblick über Rahmenfaktoren gegeben, die nach derzeitigem Diskussionsstand die Wirksamkeit von Sprachförderprogrammen für BerufsschülerInnen positiv beeinflussen.

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