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Zukunft Bibliothek

Thema der Nummer 1/2015
Von Carole-Anne Deschoux
Bibliotheken stehen angesichts der zunehmenden Digitalisierung, Individualisierung und der sozialen Veränderungen in unserer Gesellschaft vor grossen Herausforderungen. Warum soll man noch in die Bibliothek gehen, wenn man Bücher auf den E-Reader laden kann? Wieso braucht es noch physische Bibliotheksräume, wenn man Bibliotheksangebote nutzen kann, ohne eine Bibliothek real betreten zu müssen? Wie gelingt es, junge Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen?

Die mit Büchergestellen verstellte Bibliothek mit BibliothekarInnen, die sich hinter Theken verschanzen, hat ausgedient. In nordischen und angelsächsischen Ländern sind im letzten Jahrzehnt viele Bibliotheken neu entstanden oder umgebaut worden, die die Wichtigkeit der physischen Bibliothek als gesellschaftlichen Treffpunkt behaupten: Sie stehen mitten im Zentrum und bilden das Tor zu multifunktionalen Gebäuden mit Ausstellungsräumen, Theater- oder Kinoangeboten, sind auch Tourismus- oder Postbüro ...  Sie zeichnen sich durch Diversität, Flexibilität und Interaktivität aus. Sie fungieren als Lernzentren und Informations-Hubs. Diese Bibliotheken sind also zum dritten Ort neben dem Zuhause und der Arbeit geworden, einem Ort der Vernetzung und des Austauschs mit einer zentralen Aufgabe im kulturellen und gesellschaftlichen Alltag von Kommunen.

In der aktuellen Nummer des Leseforums finden Sie grundsätzliche Überlegungen zur Entwicklung von Bibliotheken im urbanen Raum (in den Beiträgen von Anna Galluzzi und Claude Poissenot) sowie zwei Beispiele von Entwicklungsprozessen zu Bibliotheksneubauten in der Schweiz (in den Beiträgen von Anne-Lise Hilty und Frédéric Sardet). Ein weiterer Beitrag setzt sich in dialogischer Form mit den künftigen Herausforderungen und Aufgaben von interkulturellen Bibliotheken in der Schweiz auseinander (Adriana Mumenthaler, Hélène Schär und Carole-Anne Deschoux).

Fokusartikel


Öffentliche Bibliotheken im Spannungsfeld zwischen flüchtigen Modeerscheinungen und dauerhaften Perspektiven

Abstract | von Anna Galluzzi
Dieser Artikel befasst sich mit der Frage, welchen Veränderungen Bibliotheken, vor allem öffentliche, in einem von tiefgreifenden Umwälzungen wie der globalen Wirtschaftskrise und der technologischen Revolution geprägten Umfeld im Hinblick auf Raumgestaltung und Dienstleistungsangebote in jüngster Zeit unterworfen sind. Es wird insbesondere auf folgende Themen eingegangen: Das Verhältnis zwischen grossen und kleinen Bibliotheken und folglich zwischen Zentralisierung und Zusammenführung von Diensten auf der einen Seite, und Dezentralisierung und Personalisierung derselben auf der anderen Seite; die Dialektik von grösstmöglicher Flexibilität und funktionaler Raumgestaltung; die Tendenz zur Erweiterung der Aufgaben und zur Zusammenlegung von Dienstleistungen lokaler Behörden in Bibliotheksräumen; schliesslich der Trend, NutzerInnen bei der Gestaltung von Diensten und ihrer Weiterentwicklung mit einzubeziehen. Offen bleibt die Frage, welche dieser Tendenzen sich festigen und welche sich als flüchtige Modeerscheinungen erweisen werden.

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Wie sehen die Bibliotheken der Zukunft aus?

Abstract | von Claude Poissenot
Keine Institution kann sich, will sie überleben, Veränderungen verschliessen, auch Bibliotheken nicht. Angesichts der rasanten technologischen Entwicklungen und der demographischen Veränderungen in unserer Gesellschaft müssen sie ihre Ausrichtung neu überdenken. Neben ihren materiellen Sammlungen, die sie historisch definieren, stellen sich viele Bibliotheken heute den Herausforderungen der digitalen Revolution und des offenen Zugangs zu Informationen, ohne ihre Attraktivität als Treffpunkt preiszugeben. Bibliotheken sind der öffentliche Ort, wo sich Individuen und Gemeinschaften treffen. Damit entsprechen sie einem soziologischen Bedürfnis unserer von individualisierten Lebensformen geprägten Zeit und können die Zukunft in Angriff nehmen.

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Weiterer Artikel


Leseverstehen im Kontext der Vergleichsarbeiten für die dritte Jahrgangsstufe im Fach Deutsch – Leistungen und Grenzen eines diagnostischen Instruments zur Sprachförderung


Abstract | von Michael Krelle
In diesem Beitrag wird ein Überblick über die Testung von Leseverstehen im Kontext der Vergleichsarbeiten für die dritte Jahrgangsstufe im Fach Deutsch geben. Es werden Ziele, Leistungen und Grenzen des Instruments benannt. Dabei wird zunächst das Kompetenzstufenmodell „Leseverstehen“ zu den KMK-Bildungsstandards für die Grundschule erläutert. Vor dem Hintergrund der Pilotierungsdaten des VERA3-Durchgangs 2013 werden Aspekte der Testentwicklung berichtet und es werden mehrere Aufgabenbeispiele diskutiert. Schließlich werden auf der Grundlage von möglichen Leistungsergebnissen Hinweise zur Sprachförderung in der dritten Jahrgangsstufe formuliert. Dabei wird auch auf die Kritik an den Vergleichsarbeiten eingegangen.

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Aus der Praxis


Prontobibliothek mit Sushi-Bar


Abstract | von Anne-Lise Hilty
Angesichts von Internet und Social Media stehen die Bibliotheken vor neuen und grossen Herausforderungen. Bisherige Tätigkeiten wie Medien aufstellen und ausleihen verlieren an Bedeutung, während kompetente Beratung, Sprachförderung und die Vermittlung von Medienkompetenz immer wichtiger werden. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, müssen Bibliotheken radikal umdenken, ihre Räume anders einrichten und sich neu organisieren. Die GGG Stadtbibliothek Basel hat mit dem Um- und Ausbau ihrer Hauptbibliothek Schmiedenhof die Gelegenheit bekommen, diesen Schritt zu tätigen. An ihrem Beispiel lässt sich aufzeigen, welchen neuen Ansprüchen Bibliotheken gegenüber stehen, und wie diese konzeptuell, räumlich, organisatorisch sowie nicht zuletzt auch politisch umgesetzt werden können. Für die höchst unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Zielgruppen braucht es auch jeweils massgeschneiderte Angebote, wie sich am Beispiel der Jugendarbeit der GGG Stadtbibliothek illustrieren lässt.

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Bibliotheken und Archiv der Stadt Lausanne: Zukunftsdesign mit Zeithorizont 2025


Abstract | von Frédéric Sardet
Das Jahr 2025 ist nicht mehr allzu fern, politische und unternehmerische Weichenstellungen für diese Zeit müssen heute angegangen werden. Dieser Beitrag stellt die Strategie des 2009 gegründeten  Bibliotheks- und Archivdienstes der Stadt Lausanne vor. Er beschreibt Überlegungen zur globalen Entwicklung des Mediums Buch und des Lesens als Grundkompetenz unserer Gesellschaft und als Teil unseres kulturellen Erbes. Er zeigt die Bedeutung öffentlicher Instanzen und von Finanzierungsfragen zur Bewältigung der wechselnden Herausforderungen in unserer Demokratie auf. Er weist auf das subtile Gleichgewicht hin zwischen Regulierungen und Anpassungen und die jedem öffentlichen Projekt innewohnenden Unvorhersehbarkeiten und Zwänge. Schliesslich befasst sich dieser an der Praxis orientierte Beitrag mit grundlegenden Überlegungen zur Zukunft der Berufe im Dokumentationswesen.

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Und wenn wir gemeinsam nachdenken würden? Die Sicht der interkulturellen Bibliotheken...


Abstract | von Hélène Schär, Adriana Mumenthaler und Carole-Anne Deschoux
Interkulturelle Bibliotheken haben eine lange Erfahrung beim Aufbau kultureller Beziehungen zwischen Menschen aus unterschiedlichen Sprachregionen. Was tun, wenn diese Menschen unsere Gesellschaft und Schriftkultur verstehen und darin einen Platz finden wollen, diese Gesellschaft aber (noch) nicht fähig ist, zu erkennen, dass sie im Gegenzug für diese Integration auch ganz viel bekommt?
Wenn die interkulturellen Bibliotheken über ihre Zukunft nachdenken und dabei die  Aufmerksamkeit auf bestimmte Details lenken, von Unterschieden und Begegnungen sprechen, die sie jeden Tag erleben und den Blick vom «Ausländer» der etwas will, zum «Ausländer», der etwas zu geben hat, richten, tragen sie zweifellos zur Debatte über die Zukunft der Bibliotheken im Allgemeinen bei.

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