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Aus- und Weiterbildung der VermittlerInnen von Literalität

Thema der Nummer 3/2016
von Murielle Roth und Dorothe Hesse-Hoerstrup

Die aktuelle Forschung im Bereich des literalen Lernens geht von einem lebenslangen Sozialisations- und Lernprozess aus, der bereits lange vor Schuleintritt beginnt und sich über die vorschulische und schulische Ausbildung, Berufsausbildung, Studium und Berufspraxis bis ins hohe Lebensalter fortsetzt. Da sich literale Kompetenzen nicht von selbst entwickeln, richtet sich der Blick dieser Ausgabe weniger auf die Lernenden, sondern vielmehr auf die Lehrenden von Literalität in Kindergarten, Schule und Hochschule, auf deren individuelle Konzepte von Literalität und die Frage, wie Lehrpersonen diese weiterentwickeln, professionalisieren und dem aktuellen Konzept von Literalität anpassen können. Die vorliegenden Beiträge beleuchten somit einerseits individuelle Einstellungen, Haltungen und Kenntnisse von Lehrenden im Bereich der Literalität, andererseits zeigen sie ein breites Spektrum aktueller Konzepte zur Weiterbildung von Literalität in einem zunehmend multimodalen Umfeld. leseforum.ch befasst sich vor diesem Hintergrund mit Professionalisierungsangeboten von Aus- und Weiterbildungsträgern für ErzieherInnen, LeseanimatorInnen, BibliothekarInnen und Lehrpersonen, die sich in der Vermittlung literaler Kompetenzen von Lernenden verschiedener Altersgruppen engagieren, um diese stetig reflektieren, auf ihre Wirksamkeit prüfen und im Hinblick auf neue Aspekte von Literalität weiterentwickeln zu können.


«Es fehlen Gefühle und Details in der Geschichte» – Wissen und Überzeugungen von Lehrpersonen in der Domäne Schreiben

Abstract | von Afra Sturm, Nadja Lindauer, Tim Sommer
Der Expertise von Lehrpersonen kommt ein hohes Gewicht mit Blick auf die Gestaltung des Unterrichts zu, sowohl bezogen auf das Professionswissen als auch auf Überzeugungen. Über die schreibbezogene Expertise ist im Vergleich zu anderen didaktischen Domänen wenig bekannt. Im Rahmen des SNF-Projekts «Novizinnen und Novizen im Schreibunterricht» wird eine Konzipierung des Professionswissens vorgeschlagen, die sich zwar an mathematikdidaktische Überlegungen anlehnt, dabei aber Modifikationen vornimmt, indem die schreibdidaktisch relevanten Besonderheiten berücksichtigt werden.
Die Hauptergebnisse zeigen, dass Lehrpersonen der Primarstufe am Ende ihrer Ausbildung über eher geringes Professionswissen verfügen und dass dieses im Verlauf des ersten Berufsjahrs nicht zunimmt. Hinsichtlich der Überzeugungen zeigen sie hohe Selbstwirksamkeitserwartungen sowohl in Bezug auf ihre eigenen Schreibfähigkeiten wie auch in Bezug auf ihre Fähigkeit, Schreiben zu unterrichten. Diese Überzeugungen nehmen nach dem ersten Berufsjahr nicht ab, das heisst, hier zeigt sich der vielfach angenommene ‹Praxisschock› nicht.

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Leseförderung digital – Chancen für die digitalen Informations- und Fortbildungsangebote der Stiftung Lesen

Abstract | von Sigrid Fahrer
Die Stiftung Lesen hat Multiplikatoren aus Schule, Bibliothek, Vorleseinitiativen und außerschulischen Institutionen zu ihrer Einstellung und ihrem Fortbildungsbedarf in Bezug auf die Leseförderung mit digitalen Medien befragt. Das Interesse an Fortbildungen zu Themen der Leseförderung ist groß, und über 70 % der Befragten zeigt sich einer Vermittlung mit digitalen Medien aufgeschlossen. Bezugsmedium bei all dem ist und bleibt das gedruckte Buch, das weiterhin im Zentrum der eigenen Leseförderpraxis steht. Digitale Leseangebote sehen die Multiplikatoren als innovative Ergänzung und Erweiterung ihres Repertoires, deren Einsatz aber oftmals an den technischen Gegebenheiten scheitert.

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Erlebte Bücher: Ein Projekt zur Fortbildung von Fachkräften in der Frühpädagogik zur Buchauswahl und Sprachförderung mit Bilderbüchern

Abstract | von Christiane Hofbauer, Robert Jurleta, Sarah Girlich
Die dialogische Bilderbuchbetrachtung ist eine der wichtigsten Umsetzungsmöglichkeiten zum sprachförderlichen Arbeiten im Kita-Alltag. Oft lassen ungünstige Rahmenbedingungen ein effektives, gezieltes Einsetzen dieser Aktivität nicht zu. Sprachliche Bildung und sprachliche Förderung liegen im Aufgabenbereich pädagogischer Fachkräfte, hierzu müssen diese jedoch Wissen und Kompetenzen erwerben, die die Umsetzung dieser Aufgabe mit den gegebenen Rahmenbedingungen ermöglichen. Im vorliegenden Artikel wird ein Projekt beschrieben, das pädagogische Fachkräfte unterstützen sollte, mit Hilfe von Bilder- und Kinderbüchern sprachförderliche Aktivitäten in den vorhandenen Rahmenbedingungen umzusetzen. Wichtig für die Teams der Kindertageseinrichtungen ist eine praxisnahe und -relevante Vermittlung der Inhalte sowie die Umsetzung in sprachlich heterogenen (Groß-)Gruppen. Im Rahmen einer Fortbildung haben sich die Teilnehmer/-innen im theoretischen Teil mit den Begrifflichkeiten und Fachwissen um Literacy und dialogische Bilderbuchbetrachtung sowie Kriterien der Buchauswahl und Situationsgestaltung auseinandergesetzt, und in einem praktischen Teil verschiedene Methoden und Umsetzungsmöglichkeiten der Beschäftigung mit Büchern erarbeitet und erprobt. Darauf basierend wurde eine Handreichung erstellt, die die erarbeiteten und vermittelten Inhalte aufgreift und weiteren pädagogischen Fachkräften zur Verfügung steht.

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WRITE here! WRITE now!
Curriculare Überlegungen hinsichtlich der systematischen, evidenzbasierten Schreibförderung als (mögliche) Grundlage der Aus- und Weiterbildung der Vermittlerinnen und Vermittler von Literalität

Abstract | von Maik Philipp
Wie Schüler/innen im Lesen gezielt unterstützt werden können, stellt nicht nur ein Anliegen des Sprachunterrichtes, sondern auch des Fachunterrichtes dar. Der vorliegende Beitrag hinterfragt, ob die Textkohäsion (temporale Kohäsionsmarker) Schüler/innen beim Lesen unterstützt und wie sie wahrgenommen wird. 57 Probanden wurden zu einem Vergleich eines mehr und eines wenig kohäsiven Sachtextes aufgefordert. Außerdem wurde ihr Textverstehen mit einer Sortieraufgabe erhoben. Die Studie zeigt, dass die Wahrnehmung von Textkohäsion textoberflächenbezogen ist. Eine funktionale Deutung der Marker und ihre fachsprachliche Benennung wird weniger realisiert. Zudem zeigt sich zwar kein Zusammenhang zwischen der Wahrnehmung der temporalen Kohäsionsmarker und der Sortierleistung; es gibt jedoch einen Zusammenhang zwischen dem Vorwissen über temporale Kohäsionsmarker und der Sortierleistung. Die Befunde bieten Ansatzpunkte für die Gestaltung von Unterrichtstexten und einen systematischen Sprachunterricht.

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Vom Umgang mit lesedidaktischen Wissensangeboten in Zeiten Neuer Steuerung im Schulwesen – eine Fallskizze

Abstract | von Daniel Scherf
Im folgenden Beitrag wird skizziert, wie Lehrer/-innen lesedidaktische Wissensangebote in Zeiten Neuer Steuerung im Schulwesen nutzen. Unter dem Begriff Neue Steuerung werden Steuerungselemente zusammengefasst, die zur Durchsetzung von Schulreformen gleichzeitig die Erhöhung der Schulautonmie und die Erhöhung externer Kontrolle anstreben. Es zeigt sich, dass es für die Verwendung lesedidaktischen Wissens im Unterricht von Bedeutung ist, ob diese Elemente von (Teil-)Kollegien als Ermöglichungs- oder Belastungsstruktur wahrgenommen werden. Als Kontextbedingung, die massgeblich die Wirksamkeit (nicht nur) lesedidaktischer Weiterbildungsbemühungen beeinflusst, zeigt sich insofern die Wahrnehmung und Bewertung von Elementen Neuer Steuerung durch Lehrer(teil-)kollegien.

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Förderung der sich entwickelnden literalen Praktiken, um (sich) eine gemeinsame Kultur zu schaffen

Abstract | von Sandrine Aeby Daghé, Nicolas Dupraz, Marie Hirt
Der Beitrag befasst sich mit den Herausforderungen im Zusammenhang mit der Förderung der sich entwickelnden literalen Praktiken in den schulischen Aktivitäten. Ausgehend von einem Dispositiv zur frühen Förderung schriftlicher Aktivitäten in den ersten Schuljahren (Kinder von 4 bis 5 Jahren), wird erörtert, welche Vorteile es hat, gemeinsam Textsorten und literale Praktiken im Lese- und Schreibunterricht der jüngsten Schülerinnen und Schüler zu vermitteln. Bunt gemischte und dokumentarische Texte scheinen entscheidend für den Erfolg des Unterrichts, wobei sich die künftigen Lehrpersonen in der Rolle als erfahrene Vermittler sehen sollen.

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